Aktuelle Projekte

Für die Inhalte und Angaben sind die Stipendiat(inn)en verantwortlich. 


René Wollenweber: Niederröblingen/Sangerhausen und Schönebeck (Elbe). Studie zu frühneolithischen Siedlungsstrukturen im Mittelelbe-Saale-Gebiet

Abb. 1: Luftbild von Hausstandort 6 der Linienbandkeramik aus Schönebeck (Elbe) © LDA Sachsen-Anhalt (Foto: Ingo Hoffmann, Abbildungsnachweis: S. Friederich u. a. 2012, 31 Abb. 2)
Abb. 2: Oben links: Seitenansicht des Kastenbrunnens von Niederröblingen (Foto: Klaus Bentele). Unten: 3D-Modell des bandkeramischen Brunnens von Niederröblingen in Falschfarben. Isometrieansicht, Blick nach Nord. (Bearbeitung: R. Wollenweber) © LDA Sachsen-Anhalt

Der stetig steigende Wasserbedarf des Menschen lässt sich bis in den Beginn der Sesshaftwerdung zurückverfolgen. So konnte im Vorfeld des Straßenbaus der BAB 71 und der B 246a vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in den Jahren 2006/2007, neben eines repräsentativen Querschnittes durch die Besiedlungsgeschichte (Abb.1) der frühneolithischen Siedlungsareale bei Niederröblingen (Lkr. Mansfeld-Südharz) und Schönebeck (Lkr. Salzlandkreis), jeweils auch die zur Siedlung gehörigen Brunnenanlagen dokumentiert werden. Somit bietet sich für das zentrale wie auch für das südliche Altsiedelland die Möglichkeit den Wandel und das Beharrungsvermögen unter dem Aspekt des Wassermanagements frühneolithischer Kulturen - quasi wie in einem Brennglas - repräsentativ und exemplarisch für die jeweilige Mikroregion und darüber hinaus vergleichend zu beleuchten. Die Dokumentation der zur Siedlung gehörenden Brunnenanlagen, einmal des Kastenbrunnens von Niederröblingen (Abb. 2) und der Röhrenbrunnen von Schönebeck, eröffnen ferner tiefe Einblicke in das Siedlungsgeschehen und in die ältesten Holzbauwerke des Bundeslandes Sachsen-Anhalt.

Im Rahmen der durch das Danneil-Stipendium geförderten Promotion erfolgt deshalb die Aufnahme des Fundmaterials, dessen chronologische Einordnung sowie eine Auswertung und Korrespondenzanalyse auf Fund- als auch auf Befundebene.

Das Promotionsvorhaben wird zusätzlich gefördert durch die "Projektförderung  | Archäologie | 2014" der Archäologischen Gesellschaft in Sachsen-Anhalt e. V.

 

Literatur:

S. Friederich u. a., Kultur in Schichten. Ausgrabungen am Autobahndreieck Südharz. Arch. Sachsen-Anhalt Sonderbd. 14 (Halle [Saale] 2011).

S. Friederich u. a., Von Egeln bis Schönebeck. Archäologie und Straßenbau in der Magdeburger Börde. Arch. Sachsen-Anhalt Sonderbd. 20 (Halle [Saale] 2012).

Eric Müller: Slawische Bestattungssitten und Christianisierung im Saalegebiet. Die Gräberfelder von Oechlitz, Niederwünsch und Halle/Queis (Saalekreis)

Abb. 1: Gesamtplan des Gräberfeldes von Niederwünsch mit christlichem Sakralbau (schwarz) und Erdstall unter dem Sakralbau. © Eric Müller
Abb. 2: Grab 13 (Bef. 20734) vom Gräberfeld Oechlitz. Die Doppelbestattung eines W–O ausgerichteten, adulten Mannes und eines O–W ausgerichteten Kleinkindes befand sich in Superposition über der Pferdebestattung Grab 14 (Bef. 20735). © LDA Sachsen-Anhalt

Mit den Gräberfeldern von Halle/Queis, Niederwünsch und Oechlitz sind in den  Jahren 2001 und 2009/2010 bei den Untersuchungen im Gewerbegebiet Halle/Queis und an der ICE-Trasse Erfurt-Halle/Leipzig drei slawische Gräberfelder untersucht worden, die vollständig bzw. fast vollständig erfasst sind, was nach wie vor die Ausnahme ist. Neben der vollständigen anthropologischen Analyse aller 381 Bestattungen, ist der Nachweis von hölzernen, christlichen Sakralbauten von großer Bedeutung. Von Niederwünsch liegt ferner ein sog. Erdstall vor, der in diesem Kontext bislang einmalig ist (Abb. 1). Kopfnischen- und Stufengräber belegen westliche und südöstliche Einflüsse; Beigabensitte, Ritual und Tracht traditionelle slawische Elemente. Überdies sind von Oechlitz Pferdebestattungen bekannt (Abb. 2).

Das Dissertationsvorhaben strebt auf der Basis der detaillierten Analyse der Grabfunde eine vergleichende Untersuchung an, die die Akkulturation der slawischen Bevölkerung des Saalegebietes zum Inhalt hat. Die drei Gräberfelder gehören dem Zeitraum des  10.–12. Jh. an, einer Zeit also, als das Saalegebiet nicht mehr Grenzregion war und sich das deutsche Herrschaftsgebiet weit nach Osten verlagert hatte. Die Gründung des Erzbistums Magdeburg und der Suffraganbistümer Merseburg, Zeitz und Meißen im Jahre 968 schufen die Grundlage für eine zentrale christliche Missionierung und Kirchenorganisation im Elbe-Saalegebiet, obwohl eine flächendeckende Pfarrorganisation erst deutlich später realisiert werden konnte. Vor diesem Hintergrund ist die Integration und Christianisierung der slawischen Bevölkerung ein langwieriger Prozess gewesen, welcher wohl nicht ohne Widerstände und Kompromisse auskam. Der Focus der Untersuchungen richtet sich deshalb auf das Phänomen des Überganges vom  Ortsgräberfeld zum Kirchfriedhof, eine Entwicklung, die oftmals sehr unterschiedlich verlief. 

Elena Revert Francés: Untersuchung des Übergangshorizontes einer spätbronze-/früheisenzeitlichen Siedlungslandschaft bei Kleinpaschleben, Lkr. Anhalt-Bitterfeld

Im Rahmen des Neubaus der B 6n führte das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt von 2009 bis 2012 bei Köthen (Lkr. Anhalt-Bitterfeld) Ausgrabungen durch. Nur wenige Hundert Meter südwestlich von Kleinpaschleben wurde im Sommer 2010 eine mehrphasige spätbronze- bis früheisenzeitlich datierende Siedlung aufgedeckt. Die beiden Grabungsareale, auf die sich die Siedlung verteilt, werden durch die Ziethe getrennt. Insbesondere die Fläche östlich dieses kleinen Flusslaufs zeichnet sich durch eine auffallend hohe Befunddichte aus. Die Grabungsflächen weisen Funde und Befunde seit dem Spätneolithikum (Glockenbecher- und Schnurkeramikkultur) bis in die frühe Eisenzeit auf. Im Mittelpunkt des Promotionsprojektes stehen jedoch die bronzezeitlichen Siedlungsbefunde der Aunjetitzer Kultur und der Saalemündungsgruppe. Bearbeitet werden unter anderem Keramikreste, Tier- und Menschenknochen sowie Metallobjekte, die überwiegend aus den zahlreich überlieferten Siedlungs- und Herdgruben, mehreren Hausgrundrissen, einigen Gräbern und einem dokumentierten Graben stammen. Abschließend wird eine Betrachtung der spätbronze-/früheisenzeitlichen Siedlungslandschaft der Region erfolgen.

Kontakt: elena.revert.frances(at)gmail.com

Abb. 1: Blockbergung einer Doppelbestattung der Aunjetitzer Kultur, Fst. 4. © LDA Sachsen-Anhalt (Foto: Elisabeth Pawlak)
Abb. 2: Überblick auf die beginnenden archäologischen Untersuchungen auf der Teilfläche 5/1 (Fst. 5) mit zahlreichen Siedlungsgruben. Die Baumreihe im Hintergrund markiert das Flussbett der Ziethe. © LDA Sachsen-Anhalt (Foto: Hauke Arnold)

Ottilie Blum: Die Hildagsburg bei Elbeu und der Schlossberg Wolmirstedt, Lkr. Börde – Untersuchungen zur mittelalterlichen Herrschafts-, Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte im Elbraum nördlich Magdeburgs

Durch den Bau des Mittellandkanals wurde in den 1920er Jahren bei Wolmirstedt-Elbeu (Lkr. Börde, Sachsen-Anhalt) eine bekannte frühmittelalterliche Burganlage, die Hildagsburg, tangiert. Die teilweise Zerstörung des Denkmals gab Anlass zu Rettungsgrabungen, die unter der Leitung von Hans Dunker standen. Die Hildagsburg gehört damit zu den ersten wissenschaftlich ausgegrabenen Burgwällen in Mitteldeutschland und ist daher von großer forschungsgeschichtlicher Relevanz. Zwei Kilometer entfernt liegt eine weitere, ebenfalls bereits frühmittelalterliche Befestigung, der Schlossberg Wolmirstedt, auf dem sich heute die eindrucksvollen Baulichkeiten der spätmittelalterlichen Residenz der Magdeburger Erzbischöfe befinden. Auf dieser Anlage wurden seit den 1970er Jahren immer wieder Ausgrabungen durchgeführt. Das Burgenpaar ist von erheblichem kulturhistorischem Interesse aufgrund seiner Lage in einer ethnisch-sprachlichen, politischen und religiösen Grenzsituation, dem früh- und hochmittelalterlichen Kontaktgebiet von Sachsen, Franken, Deutschen und Slawen. Hinzu tritt die besondere Bedeutung, die das nur 10 km nördlich Magdeburgs gelegene Ohremündungsgebiet für die karolingische und ottonische Reichspolitik sowie beim deutschen Herrschaftsausgriff in die ostelbischen Gebiete im 12./13. Jh. besaß.

Im Rahmen der Promotion soll das umfangreiche Dokumentations- und Fundmaterial der älteren Grabungen aufgearbeitet werden. Auch die Resultate jüngerer Feldforschungen auf den beiden Burgen fließen in die Bearbeitung ein und können Aufschluss zur mittelalterlichen Herrschafts-, Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte des Elbraums nördlich Magdeburgs geben.

Abb. 1: Der Leiter des Kreisheimatmuseums Wolmirstedt, Hans Dunker, während der Bauarbeiten am Mittellandkanal im Bereich der Hildagsburg 1927. © Museum Wolmirstedt
Abb. 2: Das heutige Erscheinungsbild des Schlossbergs Wolmirstedt wird durch Baumaßnahmen des 15. Jhs. der Erzbischöfe von Magdeburg geprägt. © Ottilie Blum

Judith Blödorn: Das Körpergräberfeld von Kleinjena. Studien zur frühen und späten Karolingerzeit in Mitteldeutschland.

Abb. 1 Solcherart Perlenensemble fanden sich bei vielen Bestattungen. Auffällig sind die großen, grünen Augenperlen. © LDA Sachsen-Anhalt (Foto: Restaurierungswerkstatt)
Abb. 2 Ein absolutes Highlight der Fundstücke stellt ein Paar Bommelohrringe aus Gold dar. © LDA Sachsen-Anhalt (Foto: Restaurierungswerkstatt)

Im Vorfeld der Begradigung der B 180 zwischen Naumburg und Freyburg führte das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in den Jahren 2006 und 2007 archäologische Ausgrabungen durch. Unter den mannigfaltigen archäologischen Hinterlassenschaften soll vor allem das spätmerowingisch-karolingische Reihengräberfeld (8./9. Jh.) mit ca. 100 Körper- und 13 Pferdegräbern im Fokus der Dissertation stehen. Hinzu kommen Siedlungsreste aus der Römischen Kaiserzeit und ein singulär gelegenes, relativ reich ausgestattetes Kindergrab, welches der frühen Merowingerzeit - also dem späten 5. und frühen 6. Jh. - zuzuordnen ist.

Das Gräberfeld von Kleinjena kann in eine Reihe mit ähnlichen Bestattungsorten gestellt werden, die sich von der Werra im Westen über Erfurt bis zum Saaletal und weiter über das Obermain-Regnitz Gebiet bis kurz vor Ingolstadt und das Altmühltal ziehen - immer entlang der Ostgrenze des ostfränkischen Reiches. Die Forschung sieht in diesen Begräbnisstätten eine wesentliche archäologische Manifestation des fränkischen Landesausbau in den Grenzgebieten des ostfränkischen Reiches. Welche Bevölkerung fassen wir also in diesen Gräberfeldern? Das Formengut scheint eher in der Tradition der spätmerowingisch-frühkarolingischen Reihengräberfelder des Altsiedellandes zu stehen. Aus den Schriftquellen und anhand der Ortsnamenkunde wissen wir jedoch auch, dass slawische Siedler eine nicht unbeträchtliche Rolle bei eben jenem Landesausbau gespielt haben. Doch gibt es aus dieser Zeit neben wenigen Nachweisen slawischer Keramik auf Siedlungsplätzen keine typisch slawischen Brandbestattungsplätze, wie wir sie östlich der Saale kennen. Wo und wie haben nun diese slawischen Siedler auf fränkischem Reichsboden gesiedelt und bestattet? Diese Problematik führt weiter zur grundsätzlichen Frage, inwieweit überhaupt ethnische Realitäten am archäologischen Befund nachvollzogen werden können

Neben einer detaillierten wissenschaftlichen Auswertung der Befunde und Funde stehen vergleichende Synthesen mit den Befunden, Besiedlungsstrukturen und Funden und deren chronologische Einordnung im Vordergrund. Eine zentrale Fragestellung wird hier der noch zu klärende zeitliche Zusammenhang zwischen Siedlung, Einzelgrab und Reihengräberfeld und deren Einordnung in die regionale Fundlandschaft um Kleinjena sein.

In einer abschließenden Synthese entsteht eine Zusammenführung schriftlicher und materieller Überlieferung, die uns der Frage nach den Beziehungen zwischen ostfränkisch-frühdeutscher und slawischer Bevölkerung in der Kontaktzone des limes Sorabicus näher bringt.

Jochen Fahr: Die früh- bis hochmittelalterliche Siedlungskammer nordöstlich von Latdorf (Salzlandkreis) unter Berücksichtigung des schwedischen Feldlagers aus dem Dreißigjährigen Krieg

Abb. 1. Übersichtsplan der archäologischen Kulturdenkmale, die im Zuge der Grabungen abschließend archäologisch untersucht wurden. Im Süden liegt die offene Siedlung und im Norden die von dem Grabensystem umfasste Niederlassung. Abbildungsnachweis: Susanne Friederich u. a., Archäologie am Kalkteich 22 in Latdorf. Die Archäologie stimmt! Arch. Sachsen-Anhalt Sonderbd. 9 (Halle [Saale] 2008) Beilage.
Abb. 2. Luftbild der nördlichen befestigten Siedlung (oben ist Nordosten). Abbildungsnachweis: Susanne Friederich u. a., Archäologie am Kalkteich 22 in Latdorf. Die Archäologie stimmt! Arch. Sachsen-Anhalt Sonderbd. 9 (Halle [Saale] 2008) Umschlagfoto vorne (unten).

Nordöstlich von Bernburg im Salzlandkreis führte das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in den Jahren 2006 und 2007 unter der Projektleitung von Dr. V. Dresely und Dr. S. Friederich bei Latdorf Ausgrabungen durch. Etwa zwei Kilometer östlich der Saale wurde vor der geplanten Errichtung des Kalkteiches 22 zur Ablagerung von Rückständen der Sodaproduktion der Solvay-Werke Bernburg eine 60 ha große Fläche archäologisch untersucht. Dem Grabungsteam unter der Leitung von P. Pacak M.A. gelang es zwei frühmittelalterlich-slawische Siedlungen des 8. bis 10. Jahrhunderts bis auf Nässezonen vollständig aufzudecken. Die im Untersuchungsareal etwas nördlich gelegene, durch Grubenhäuser gekennzeichnete Siedlung war durch einen erneuerten und später erweiterten Graben befestigt. Dieser umfasste eine Gesamtfläche von bis zu 1,4 ha. Der zweite 2,6 ha große, aber unbefestigte Siedlungsschwerpunkt befand sich etwa 110 m südöstlich. Auf dem Untersuchungsareal zeigten sich zudem Überreste eines schwedischen Feldlagers des Dreißigjährigen Krieges von 1644. Da vor mittlerweile über 40 Jahren mit Dessau-Mosigkau ein vergleichbarer Fundplatz vorgelegt wurde, ergibt sich nun die Möglichkeit, zwei nahezu vollständig untersuchte frühmittelalterlich-slawische Fundplätze der Region auf aktueller Forschungsgrundlage auszuwerten. Nach einer inneren Analyse der beiden Siedlungsplätze lassen vergleichende Synthesen mit der Mikroregion und angrenzenden Landschaften unter Berücksichtigung der Lage im „Grenzsaum“ Saale spannende Ergebnisse erwarten.

Verweis Literatur:

S. Friederich/ J. Blödorn/ H.-J. Döhle/ J. Fahr/ S. M. Köppen/ C. Kunze/ C. Müller/ P. Pacak/ R.-J. Prilloff/ C.-H. Wunderlich, Archäologie am Kalkteich 22 in Latdorf. Die Chemie stimmt! Arch. in Sachsen-Anhalt, Sonderbd. 9 (Halle [Saale] 2008).

J. Fahr/ C. Müller/ P. Pacak, Das schwedische Feldlager von Latdorf bei Bernburg von 1644 (Salzlandkreis, Sachsen-Anhalt) - Ergebnisse der Ausgrabungen am Kalkteich 22 und an der L 73. In: H. Meller (Hrsg.), Schlachfeldarchäologie - Battlefield Archaeology. 1. Mitteldeutscher Archäologentag vom 09. bis 11. Oktober 2008 in Halle (Saale). Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle Bd. 2 (Halle [Saale] 2009) 151-162.

Nach oben

Frauke Mohrwinkel: Archäologisch-anthropologische Studien zum Endneolithikum in Sachsen-Anhalt (Tagebau Profen)

Im Braunkohletagebau von Profen (Burgenlandkreis) wurden in den vergangenen Jahren bei Ausgrabungen im Vorfeld der Abbautätigkeiten unter anderem zahlreiche Gräber zweier jungsteinzeitlicher Kulturen entdeckt. Die sog. Schnurkeramische sowie die Glockenbecherkultur stehen am Übergang zur frühen Bronzezeit (ca. 2800-2200 v. Chr.) und überschneiden sich zum Teil chronologisch (Abb.1). Die vergleichende Aufarbeitung der Gräber beider Kulturerscheinungen ist Thema des hier vorgestellten Promotionsvorhabens. Größte Wichtigkeit kommt hierbei der interdisziplinären Auswertung zu, bei der Ergebnisse aus Archäologie, Anthropologie und Archäozoologie miteinander verknüpft werden sollen. Dadurch, dass die Bearbeitung aller drei Bereiche durch die gleiche Person erfolgt, wird ein optimaler Erkenntnisgewinn zum Leben in der damaligen Zeit ermöglicht. Hierzu trägt auch die mit fast 300 Gräbern vergleichsweise hohe Anzahl der Befunde und die große Zahl darin enthaltener, zum Teil sehr qualitätvoller Funde bei: Neben Keramik und Steingeräten fanden sich beispielsweise Bernstein- und Perlmuttperlen (Abb. 2) sowie zahlreiche durchlochte Tierzähne. Erwartet werden unter anderem weiterführende Erkenntnisse zur Chronologie des Endneolithikums, zur Krankheitsbelastung dieser Zeit sowie zu alters-, geschlechts- oder statusbezogenen Bestattungsbräuchen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Abb. 1: Relative Chronologie: Befund/Grab 5427 schneidet Befund/Grab 5450 und muss somit jünger sein als dieser. © LDA Sachsen-Anhalt (Foto: Klaus Bentele, Bearbeitung: Frauke Jacobi)
Abb. 2: Bestattung eines etwa 4-5 Jahre alten Kindes mit mind. 12 flachen Perlen aus Perlmutt im Bauchbereich sowie einem schnurkeramischen Becher und einer Schale. © LDA Sachsen-Anhalt (Foto: Klaus Bentele, Bearbeitung: Frauke Jacobi)

Nach oben

Birgit Lißner: Das 3. Jahrtausend v. Chr. im Nordharzvorland

Im 3. Jahrtausend v. Chr. treten in Mitteldeutschland drei große Kulturgruppen auf, die prägend für diese wichtige Epoche sind, in der sich die Herausbildung hierarchischer Gesellschaftsstrukturen und arbeitsteiliger Wirtschaftsformen vollzieht: die endneolithische Kultur mit Schnurkeramik und die Glockenbecherkultur sowie die frühbronzezeitliche Aunjetitzer Kultur. Aufgrund eines identischen Verbreitungsbildes in Sachsen-Anhalt und einer zeitlichen Überlappung kann man davon ausgehen, dass es bei diesem engen Verhältnis in Raum und Zeit zu verschiedenartigen Kontakten kam.

Inhalt der Arbeit ist daher die Analyse des interkulturellen Beziehungsgeflechtes der drei Kulturen in einer abgeschlossenen Kulturlandschaft. Aufgrund seiner besonderen wirtschaftlichen Grundlagen sowie der hervorragenden Quellenlage wurde das nördliche Harzvorland als Arbeitsgebiet ausgewählt. Neben den chronologischen, chorologischen und typologischen Aspekten liegt der Schwerpunkt auf den ganz unterschiedlich zu fassenden Kontakten. Diese spiegeln sich unter anderem in räumlichen Beziehungen, den Annäherungen der Bestattungssitten, der Kontinuität einzelner Keramikformen sowie Vergesellschaftungen wider. Es liegen deutliche Belege für gegenseitige Beziehungen vor, die auf direkten Kontakt und die Übernahme von kulturellen Elementen hinweisen.

Nach oben

Andreas Nebe: Der mehrschichtige Siedlungshügel von Niederröblingen, Ldkr. Mansfeld-Südharz

Die Bildung und Erhaltung von prähistorischen Siedlungsschichten auf terrestrischem Boden konnte bislang in Mitteleuropa noch an keiner Stelle so eindrucksvoll dokumentiert werden wie bei den im Vorfeld des Baus der BAB 71 durchgeführten Ausgrabungen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt am Siedlungshügel von Niederröblingen, Ldkr. Mansfeld-Südharz. Die am Nordrand der Helme-Niederung entdeckten Ablagerungen von mehreren prähistorischen Siedlungen waren bis zu einer Mächtigkeit von 1,8 m erhalten. Im Frühneolithikum, in einem Zeitraum vom Ende des 6. bis zur Mitte des 5. Jahrtausends v.Chr., wurden die ersten Langhäuser vor Ort errichtet. Die nach Auflassen dieser Siedlung vergangenen Baumaterialien bildeten die ersten vor Ort abgelagerten Schichten. Nach einer gut 1.500 Jahre dauernden Siedlungsunterbrechung beginnt im Laufe des 3. Jahrtausends v.Chr. eine vom Ende des Neolithikums bis in die frühe Eisenzeit (8./7. Jahrhundert v.Chr.) reichende, scheinbar kontinuierliche Besiedlung. Die mächtigsten Ablagerungen stammen aus der späten Bronze- und frühen Eisenzeit (13.-7. Jahrhundert v.Chr.), in denen sogar mehrere, übereinander gelagerte Fußböden verschiedener Hausbauphasen nachgewiesen werden konnten. Nach einer weiteren Siedlungsunterbrechung ist eine letzte Besiedlungsphase im 3. und 4. Jahrhundert n.Chr. fassbar.

Seit Februar 2009 werden die während der Ausgrabungen dokumentierten und geborgenen archäologischen Quellen im Rahmen einer durch ein Danneil-Stipendium der Stiftung zur Förderung der Archäologie in Sachsen Anhalt geförderten Dissertation am Institut für Kunstgeschichte und Archäologien Europas der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wissenschaftlich ausgewertet.

Abb. 1 Niederröblingen 9, Ldkr. Mansfeld-Südharz. Grabungsflächen innerhalb der Autobahntrasse mit geschätzter Maximalausdehnung der Siedlungsschichten. © LDA Sachsen-Anhalt (Foto: Ingo Hoffmann, Bearbeitung: Andreas Nebe)
Abb. 2 Niederröblingen 9, Ldkr. Mansfeld-Südharz. Aufbau der Siedlungsschichten in Geoprofil 57_154-158 (Fläche III, Schnitt 15, Bereichsfläche 39_40) mit schematischer, chronologischer Abfolge. © LDA Sachsen-Anhalt (Foto: Juraj Lipták, Bearbeitung: Andreas Nebe)

Nach oben

Brigitte Schiefer: Bernburger Kultur auf der „Schalkenburg“

Der markant gelegene Felssporn der „Schalkenburg“ bei Quenstedt im Landkreis Mansfeld-Südharz zählt mit seinem außerordentlich reichen Fundmaterial zu den herausragenden Beispielen von vorgeschichtlichen Besiedlungsplätzen im mitteldeutschen Raum. Die auf diesem Fundplatz  befindlichen, archäologischen Hinterlassenschaften unterschiedlicher Zeitstellungen sind vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in einer zwanzigjährigen Forschungsgrabung (1967-1986) zur Trichterbecherkultur nahezu vollständig erschlossen worden. 

Mit diesen Untersuchungen konnten erstmals auch umfangreiche Aussagen zum Siedlungswesen der Bernburger Kultur in ihrem Hauptverbreitungsgebiet Mitteldeutschland getroffen werden, welche bis dato nur in wenigen, kleineren Aufsätzen behandelt worden ist.

Die wissenschaftliche Ausarbeitung der Untersuchungen zu dieser befestigten Höhensiedlung auf der „Schalkenburg“ bietet durch die Erstellung einer unbedingt erforderlichen Monographie die Möglichkeit, diese Kultur auch in einem größeren Kontext beleuchten zu können. Basierend auf diesem Grundlagenwerk zur Bernburger Kultur können durch weitere Forschungen neue Interpretationsmöglichkeiten auf diesem Fachgebiet möglich gemacht werden.

Abb. 1 © LDA Sachsen-Anhalt (Foto: Dr. Ralf Schwarz)
Abb. 2 © LDA Sachsen-Anhalt (Zeichnung: Mario Wiegmann)

André Schürger: Die Archäologie der Schlacht von Lützen: Eine Untersuchung militärischer Funde des 17. Jhs.

2006 begann ein Projekt zur Untersuchung des Schlachtfeldes von Lützen, auf dem kaiserlich-ligistische und schwedisch-protestantische Truppen am 16. November 1632 eine der längsten und blutigsten Schlachten des Dreißigjährigen Krieges schlugen. Von Beginn des Projektes an wurden die Flächen vollständig Meter für Meter mit einer Gesamtfläche von 1.100.000 m² (ein Viertel des bekannten Schlachtfeldes) mit Metallsonden untersucht und 11.000 Funde geborgen. Damit ist Lützen das größte Projekt der Schlachtfeldarchäologie Europas. Diese Vorgehensweise führte zu einer sehr dichten Fundverteilung, die eine sehr viel detailliertere Interpretation ermöglicht, als dies bisher bei anderen Projekten möglich war, bei denen gewöhnlich keine flächendeckenden Untersuchungen durchgeführt werden. Das Hauptziel der Doktorarbeit ist eine möglichst genaue Rekonstruktion der Ereignisse der Schlacht durch die Verwendung aller vorhandenen Quellen: Feldbegehung, Ausgrabungen, Geophysik, schriftliche Quellen, historische Karten und Kupferstiche. Die Ergebnisse und die Methodik werden mit anderen Projekten der Schlachtfeldsarchäologie des 17. Jh. verglichen. Ferner wird die Schlacht in den sozialen und geographischen Kontext des 17. Jh. gesetzt, indem die Produktion und der Umlauf der Funde untersucht und mit anderen Fundkomplexen verglichen wird.

 

Abb. 1 Maßstabgetreue Darstellung der kaiserlich-ligistischen und schwedisch-protestantischen Armeen bei Lützen am 16.11.1632 gegen 10 Uhr in dem historischen Gelände und die Prospektionsflächen (rote Linien) mit der Verteilung der Bleikugeln (graue Punkte). © André Schürger
Abb. 2 Verteilung der Bleikugeln nach Deformierungsgrad (von weiß = nicht deformiert bis schwarz = 70-90% deformiert) zeigt ein Feuergefecht auf kurze Entfernung und ist ein Beleg für den Untergang der schwedischen Blauen Brigade, die in wenigen Minuten 587 von 918 Soldaten verlor. © André Schürger

Florian Michel: Das kaiserzeitliche Gräberfeld von Mechau (Altmarkkreis Salzwedel) und die Bedeutung der gräberfeldspezifischen Gefäßeinheiten in der Altmark

Das spätkaiserzeitliche Gräberfeld von Mechau (Altmarkkreis Salzwedel) auf dem Mühlberg gehört mit über 530 Urnengräbern zu den größten spätkaiserzeitlichen Bestattungsplätzen in der Altmark. Es wurde, wie andere altmärkische Bestattungsplätze, nie vollständig ergraben. Die seit dem Ende des 19. Jh. geborgenen Funde verteilen sich auf eine Vielzahl deutscher Museen. Über 385 Lesefunde (z.B. Abb. 1), wie Fibeln und Waffenbestandteile, komplementieren neben den über 540 Gefäßen (z.B. Abb. 2) den Fundumfang.

Eine durch Rosemarie Leineweber und dem Johann-Friedrich-Danneil-Museum Salzwedel durchgeführte Grabung aus dem Jahre 1985 stellt 40 modern freigelegte und dokumentierte Gräber für weitreichendere Auswertungen zur Verfügung (vgl. Leineweber 1997, 21). Die gesicherten Grabinventare können verglichen und der Leichenbrand analysiert werden.

Dieses Gräberfeld mit anderen Fundplätzen zu vergleichen und nach über 100 Jahren das für die Forschung wichtige – jedoch verstreut gelagerte Material – ausführlich in einer umfassenden Publikation der Wissenschaft und Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sollen Ziele des Promotionsvorhabens sein.

In der Altmark fällt auf, dass die einzelnen Gräberfelder der späten Römischen Kaiserzeit eigene Gefäßsätze hervorgebracht haben, die bezüglich ihrer Verzierungen spezifisch für das jeweilige Gräberfeld zu sein scheinen. Auch Mechau zeichnet sich durch einen eigenen Keramikstil aus.

Diese verschiedenen Keramikstile lassen auf unterschiedliche Menschengruppen schließen, was in der Forschung bisher nicht beachtet wurde. Die Gesamtschau des Materials der einzelnen Fundplätze dürfte so eine neue Sicht auf Personengruppen eröffnen. Deswegen wird in dieser Arbeit Mechau gemeinsam mit anderen altmärkischen Gräberfeldern vergleichend betrachtet. Mithilfe moderner Datierungsansätze an den leider selten erhaltenen Leichenbrandresten ist ein neuer Beitrag zur genauen Datierung der Spätkaiserzeit in der Altmark zu erwarten.

Verweis Literatur:

O. Förtsch, Langobardische Gräber von dem Mühlberge bei Mechau, Kreis Osterburg. Jahresschr. Vorgesch. sächsisch-thüringischen Länder 3, 1904, 65-70.

R. Laser/ R. Leineweber, Die römischen Importfunde der Altmark. Jahresschr. mitteldt. Vorgesch. 74, 1991, 191-282.

R. Leineweber, Die Altmark in spätrömischer Zeit. Veröff. Landesamtes Arch. – Landesmus. Vorgesch. – Sachsen-Anhalt 50 (Halle [Saale] 1997) 232-248.

S. Thomas, Kaiserzeitliche Funde aus der Altmark im Heimatmuseum in Schwerte an der Ruhr. In: Berliner Jahrb. Vor- u. Frühgesch. 4, 1964, 218-224.

Abb. 1: Römisches Bronzebecken nach Eggers E82 mit Herstellerstempel (Zeichnung: R. Laser/ R. Leineweber, Die römischen Importfunde der Altmark. Jahresschr. mitteldt. Vorgesch. 74, 1991, 196 Abb. 2.; Foto: Florian Michel, 2017).
Abb. 2: Verzierte Schalenurne (Florian Michel, 2017).

Nach oben

Johanna Reetz: Soziale Identität und Repräsentation – Die materielle Kultur Wittenbergs am Übergang vom Spätmittelalter zur frühen Neuzeit

Die Stadt Wittenberg bietet mit ihrer historischen Sonderstellung als Zentrum der Reformation herausragende Forschungsmöglichkeiten, da sie über eine außerordentlich gute archäologische Überlieferung verfügt. Durch die Vielzahl der in der Wittenberger Altstadt durchgeführten Grabungen besteht die Möglichkeit, die materielle Kultur in der Zeit vom Anfang des 15. Jahrhunderts bis zum Ende des 16. Jahrhunderts umfassend zu untersuchen. Der Schwerpunkt des Dissertationsprojekts liegt hierbei auf reliefierten Ofenkacheln. Es handelt sich dabei um 400 – 500 Untersuchungsobjekte, deren Fundorte recht gleichmäßig über das historische Zentrum der Stadt Wittenberg verteilt sind. Innerhalb der Untersuchung wird eine Kartierung der einzelnen Fundstücke, geordnet nach chronologischen und stilistischen/motivischen Aspekten, in der Stadttopografie erfolgen.

Das Fundmaterial soll auf seine Aussagekraft bezüglich gesellschaftlicher Position und Repräsentationswillen der einstigen Besitzer untersucht werden. Die Darstellungen am Kachelofen befanden sich zwar im Privaten – jedoch repräsentativ wirksamen - Umfeld. Materielle Kultur wird hier ein Medium der Kommunikation. Die Analyse soll eine Unterscheidung zwischen jenen Objekten erbringen, die lediglich als Statusanzeiger den materiellen Wohlstand des Besitzers kennzeichneten und solchen, die zur Abgrenzung einer sozioökonomischen Gruppe beitrugen konnten.

 

Kontakt: jreetz(at)archlsa.de

Abb. 1: Wittenberg, Neustraße. Grün glasierte Abschlusskachel mit dem Ganzkörperporträt einer Dame mit Federhut und Blume (Foto: Johanna Reetz).
Abb. 2: Wittenberg, Arsenalplatz. Fragment einer braun glasierten Reliefkachel, die den Papst im Höhlenfeuer zeigt (Foto: Johanna Reetz).

Nach oben